Aktuell: Filmschau Großregion La Grande Région en Images

Die „Filmschau Großregion  La Grande Région en Images“ 2017 steht im Zeichen des 30jährigen Geburtstags des Saarländischen Filmbüros und der Arbeit in der Großregion in diesem Zeitraum. Sie gibt gleichzeitig einen konkreten Ausblick auf die zukünftige Ausrichtung. Die Veranstaltungen begannen bereits im Juni und dauern bis Dezember 2017. Konkret lädt das Filmbüro zu einer kleinen Zeitreise rund um den 30. Geburtstag ein. Mit Filmen (Wiederaufführungen) und Portraits von Filmemachern aus der Großregion, mit Drehbüchern, die besonders erwähnenswert sind, sei es im Kontext der Kulturellen Filmförderung des Saarlandes, im Rahmen des SaarLorLux Film- und Videofestivals, des Festivals Kino im Fluss/Cinefleuve, der Filmschau Großregion oder bei Créajeune. Die 100. Interregionale Filmwerkstatt am 8. Juni 2017 war ebenso wie die Ausstellung „Aktuelle Medienkunst der Großregion“ (25.6. – 9.7.2017) bereits ein besonderer Höhepunkt im Jubiläumsjahr. Die Fachtagung „Filmbildung trifft Politische Bildung“ am 10. November 2017 ist ebenfalls Bestandteil der Veranstaltungsreihe. Im Rahmen einer kleinen Ausstellung wird dann am 16. Dezember eine Broschüre zu 30 Jahren Saarländisches Filmbüro vorgestellt.
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Mittwoch, 27.09., 20.00 Uhr, kino achteinhalb
Wiederaufführung – THE LORD OF CHESSBOARD
Dokumentarfilm, D 1991, Regie: Matthias Segner, Michael Strauss, Ute Biedinger, 50 Min,

Ein Portrait des Künstlers Claude Jaté.
Das filmische Portrait will eine Annäherung an die „Kunstwelt“ des in Saarbrücken lebenden Malers und Aktionskünstlers Claude Jaté wagen. Der Film ist gleichsam eine Spurensuche nach Wahrheiten, indem was Claude sagt und tut. Im Mittelpunkt stehen ehrliche Antworten, die Auseinandersetzung mit Gefühlen und Ängsten eines, in unserer schon von apokalyptischem Licht berührten Welt, arbeitenden Künstlers.
Im Prolog erklärt Claude Jaté die beiden Farben Blau und Weiß zu Symbolen für zwei grundsätzliche Gefühlszustände; Blau – die reale Außenwelt, mit all ihren Zwängen, der Not der Duldsamkeit; Weiß, die (innere) Freiheit des Künstlers, die Freiheit sich zu artikulieren. Was Jaté mitzuteilen hatte, wurde über den Zeitraum eines Jahres (1991) dokumentiert, teils der authentischen Situation entnommen, teils (nach)inszeniert.
In Anwesenheit der Beteiligten
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Mittwoch, 4.10., 20.00 Uhr, kino achteinhalb
PORTRAIT – PIERRE VILLEMIN
Pierre Villemin zeigt an diesem Abend drei Filme aus dem Zeitraum 2008 bis 2017.

WANDERUNGEN DURCH DAS HAVELLAND
F/D 2008, Regie: Pierre Villemin, Co-Regie: Jean Villemin, 12 Min, deutsche Version

Du dachtest an die anschwellende Mosel, die bei Schengen den Pegelstand 800 erreichen würde und du hast versucht, dir das große Bett vorzustellen, das im Mondlicht schimmerte wie fließendes flüssiges Silber.

MEMOIRE CARBONE
F 2005, Regie: Pierre Villemin, Musik: Philippe Joncquel, 22 min, OV mit engl. UT

Das Bergbaumusum Carreau Wendel hatte mich beauftragt, die oberirdischen Anlagen eines Schachts und der Kohlenwäsche einige Wochen vor ihrer Schließung zu filmen. Aus dem Auftragsfilm wurde ein künstlerisches Video. | Avril 2004, l’exploitation charbonnière du Bassin Houiller Lorrain a cessé toutes activités entraînant la fermeture de son dernier puits en Moselle, dernier puit français.

DU CÔTE DE LA REALITE IMMEDIATE?
F 2017, Regie: Pierre Villemin, Musik: Gilles Sornette, 40 min., OV mit engl. UT

Anhand von Textauszügen, Vorträgen, persönlichen Gesprächen, Reden zeigt dieser „Protestfilm“ eine Form unserer komplex gewordenen Gesellschaft zwischen falschem technologischem Fortschritt, Propaganda, Internetsucht und Marketing auf, aus der man in die
Sciencefiction-Erzählung von einer besseren Welt entflieht … | A partir d’extraits de textes, conférences, entretiens, discours, ce film „coup de gueule“ énonce une certaine forme de notre société devenue complexe, entre faux progrès technologiques, propagande, addiction aux réseaux, marketing ainsi qu’une envolée en forme de récit de science-fiction vers un monde meilleurs?

Pierre Villemin anwesend
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Mittwoch, 18.10., 20.00 Uhr, kino achteinhalb
Wiederaufführung – ROKOKO
Spielfilm, D 1997, Regie und Buch: Ulrike Pfeiffer, Kamera: Phillipp von Lucke, Musik: François Devienne, Jean-Philippe Rameau, Marin Marais, Domenico Scarlatti, Wolfgang Amadeus Mozart, Darsteller: Frank Behnke, Coraly von Le Fort, Karl Hell, Franz von Lucke, Sarah-Louisa von Saldern, Uwe Irmschler, 81 Min

Ein verwahrlostes Schloss und seine Umgebung sind Kulisse für eine sommerliche Geschichte frei nach Carlo Goldoni. Kinder spielen Erwachsene und Erwachsene benehmen sich wie Kinder. Die Bilder sind tableauartig gestaltet, mit vereinzelten Nahaufnahmen, die wie ein Blick durch ein Opernglas das Geschehen heranholen.

Als Drehort war „das recht verfallene Schloss Bourg Esch in Lothringen gefunden worden. Es bot sich nicht nur wegen ausbaufähiger Architekturdetails, sondern auch wegen seiner Naturumgebung im menschenleeren Niemandsland zwischen Deutschland und Frankreich an, denn die Natur sollte mitspielen.“ (Mitteilung der Produktion)
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Donnerstag, 9.11., 20:00 Uhr, kino achteinhalb
FREE SPEECH FEAR FREE
Dokumentarfilm, UK 2016. Regie: Tarquin Ramsay, Weltvertrieb: Paul Thiltges Distributions, mit Julian Assange, Jude Law, Jacob Applebaum John Kiriakou, u.v.a.

Dokumentarfilm über das Thema Menschenrechte und das Grundrecht auf Meinungsfreiheit, der von einem 15jährigen entwickelt wurde und über 5 Jahre gedreht und erzählt wird. Nicht nur der Regisseur wird älter, auch wird die Materie, mit der er sich beschäftigt, komplexer. Ob die Meinungsfreiheit ein Menschenrecht ist, steht nach diesem Film außer Frage.
Erstaunlich, wen der Regisseur alles vor die Kamera gebracht hat: Julian Assange, Jude Law, John Kiriakou, Jacob Appelbaum, etc.. Mit einer eigenen Dynamik führt er den Zuschauer durch ein recht verschlungenes Gebilde. Ob es nun das Recht auf Kommunikation ist, oder das Recht auf freie Rede, das Demonstrationsrecht, das Recht auf Opposition oder das Unrecht von Folter, Tarquin Ramsay führt uns durch das politische, das totalitäre, das Geheimnisverratgeflecht, als hätte er nie etwas andres gemacht. Dass insgesamt keine kritische Stimme den gesamten Film über erhoben wird, ob denn wirklich alles veröffentlicht werden darf, auch wenn es möglicherweise gegen Gesetze verstößt, nun ja. Diese gewisse Distanzlosigkeit gegenüber dem eigenen Thema, die für manchen auch eine radikale Einseitigkeit sein mag, bietet genug Anlass für Fragen, die man in der Diskussion nach dem Film ansprechen kann.
Tarquin Ramsay ist anwesend.