LETsDOK

Auch im Saarland



Dokumentarfilme zeigen diverse Perspektiven, vielfältige Haltungen und haben einen gesellschaftlichen Auftrag. Dokumentarfilme wollen gesehen werden – auf der großen Leinwand, mit ungeteilter Aufmerksamkeit. Dafür stehen zum zweiten Mal die bundesweiten Dokumentarfilmtage vom 13. bis 19. September 2021: LETsDOK! Insgesamt finden mehr als 100 Einzelveranstaltungen statt, oft kombiniert mit Filmgesprächen mit Regisseur*innen, oder eingebettet in Filmreihen.

Auch im Saarland wollen wir den Dokumentarfilm feiern! Daher zeigen die Saarland Medien in Kooperation mit dem Saarländischen Filmbüro und der Arbeitsgemeinschaft Dokumentarfilm (AG DOK) e.V. vom 16.09. – 19.09.21 ausgewählte Filme und bieten die Gelegenheit, mit den Filmemacher*innen ins Gespräch zu kommen.

Das diesjährige Programm von LETsDOK im Saarland setzt sich aus folgenden Veranstaltungen zusammen:

16.9.21, 20:00 Uhr, Grenzland, Kino Achteinhalb Saarbrücken
im Anschluss Filmgespräch mit dem Regisseur Andreas Voigt und der Produzentin Barbara Etz.



Grenzland: Eine Reise entlang der Oder und der Neiße, entlang der deutsch-polnischen Grenze. Begegnungen auf beiden Seiten der Flüsse. Erkundungen. Geschichten vom Rand – doch aus der Mitte Europas. Arbeit, Heimat, Liebe. Menschen, ihre Geschichte und ihre Landschaft. Im Süden Niederschlesien – dort, wo Polen, Deutschland und Tschechien einander treffen, in der Mitte das flache Land an der Oder, im Norden das Stettiner Haff. Eine Reise im Grenzland. Bewegungen und Geschichten im Grenzland zwischen Polen und Deutschland – mit seinem neuen Film knüpft Andreas Voigt thematisch an seine Arbeit „Grenzland – Eine Reise“ von 1992 an.

Weitere Vorstellung: 18.9.21, 20:00 Uhr, Kino Achteinhalb Saarbrücken
17.9.21, 20:00 Uhr, Haeberli, Überleben, Der übers Meer kam, Kinowerkstatt St. Ingbert, in Kooperation mit dem Bundesfestival Junger Film

  

Das Bundesfestival junger Film zeigt eine Auswahl aus dem diesjährigen Festivalprogramm und führt durch den Abend.
Haeberli von Moritz Müller-Preißer: Adolf Haeberli hat seit dem Tod seiner Mutter nie wieder aufgeräumt. Er sei schon für Ordnung, doch solle man sich auf das Wesentliche konzentrieren: Täglich verfasst er zwischen Bergen von Zeitungspapier zahllose Briefe auf seiner klappernden Schreibmaschine. Er kämpft gegen den Politapparat der Gemeinde. Dabei dreht sich alles um sein kaputtes Haus, mitten im schicken St. Moritz. Ein Portrait über das Recht auf unordentlichen Eigensinn im Dorf, im Haus und im Kopf.
Überleben von Lara Milena Brose & Kilian Armando Friedrich: Nach Jahren eines körperlich zersetzenden Alltags will Leon endlich seine Heroinsucht besiegen. Sein Ziel: Überleben. Nach einem missglückten Tankstellenüberfall hofft der 25-Jährige in einer Therapieeinrichtung  darauf, nochmal ins Leben zu finden. Der unter körperlichen Alterserscheinungen leidende Hans-Joachim hat Angst vor dem Sterben. Sein Ziel: Das ewige Leben. 
Der 78-jährige Künstler hofft, sich mit Hilfe seiner Tagebücher zu einem Homo Digitalis transformieren zu können. Beide stecken in einer schmerzhaften Auseinandersetzung mit dem  eigenen Körper, ihrer Vergangenheit und ihrer Zukunft. Der Film widmet sich dem Alltag zweier Menschen, die scheinbar nicht mehr verbindet, als Vater und Sohn zu sein.
Der übers Meer kam von Jonas Riemer: Der animierte Dokumentarfilm erzählt die Geschichte eines DDR-Flüchtlings, der zum Neu-Rechten wird. In einem Faltboot flieht er über Dänemark bis in die BRD, wo die Erzählung ins Düstere kippt. Seine neu erlangte Freiheit schlägt in Orientierungslosigkeit um. Erst in einer aufkeimenden nationalistischen Bewegung findet die Hauptfigur eine neue Heimat. Der Film stellt die elementare Frage: Woher kommt die Angst vor dem Fremden und der Wunsch nach Abschottung wirklich?
17.9.21, 20:00 Uhr, Die Kundin, Die Frau ohne Eigenschaften, Als die Kohle verschwand, Filmatelier Hochschule der Bildenden Künste Saar, Aula

     

Camilo Berstecher, Siwei Li und David Rohner präsentieren ihre Filme
Die Kundin von Camilo Berstecher: Ein Porträt über das inspirierende Leben von Marlies Krämer, einer deutschen Feministin, die seit mehr als 30 Jahren für die Gendergerechtigkeit in der deutschen Sprache kämpft. Unermüdlich und entschlossen streift sie ihre Vergangenheit als entmündigte Ehefrau der 1970er-Jahre ab. Seither verfolgt sie beharrlich ein Ziel: in Sprache und Wort als Frau erkennbar zu sein. Erfolge und Rückschläge begleiten diese Geschichte einer gut gelaunten Kämpferin.
Die Frau ohne Eigenschaften von Siwei Li. ist ein elfminütiger Essayfilm, ein tagebuchartiges Erfahrungsprotokoll einer chinesischen Frau, die seit drei Jahren in Deutschland lebt. Dabei taucht die Identitätsfrage auf, der sich die Erzählerin stellen muss.Die Hauptprotagonistin Luna erzählt auf Tonspur von ihrem Alltag – von ihren Begegnungen mit unterschiedlichen Menschen, wie den flüchtigen Kontakten beim Einkaufen. Dabei versucht der Film das Fremdsein nachvollziehbar zu machen.
Als die Kohle verschwand von David Rohner: Ein Dokumentarfilm über den ehemaligen Steinkohlebergbau im Saarland und der Grenzregion zu Frankreich. Der Film begleitet ehemalige Bergleute, die ihr Leben dem Bergbau gewidmet haben bzw. direkt mit ihm in Berührung waren und noch heute an ihrer Vergangenheit festhalten, an ehemalige Standorte die von besonderer Bedeutung für sie sind. Darunter sind z.B. (teilweise verfallene) Grubengelände, Berghalden aber auch private Orte an denen sichtbar wird, wie die Menschen versuchen, ihre Erinnerung an diese vergangene Zeit zu verarbeiten oder gar wieder aufleben zu lassen. Es werden Fragen behandelt, wie z.B. der Umgang mit der konstanten Gefahr an einem solch schwierigen Arbeitsplatz und der damit einhergehenden Maschinerie stattgefunden hat – mit genauem Blick auf Abläufe und Prozesse aus dem Leben der Protagonisten. Wie kam es eigentlich zur Entscheidung, unter Tage zu arbeiten? Ein weiteres Thema ist das Festhalten an der Kultur, welche in der langen Geschichte des Bergbaus im Saarland begründet liegt. Und natürlich lernen wir die Menschen hautnah kennen und finden heraus wie es ihnen heute geht und was sie antreibt.

18.9.21, 20:00 Uhr, World Taxi, Thalia Lichtspiele Bous

   

im Anschluss Filmgespräch mit dem Regisseur Philipp Majer.

World Taxi von Philipp Majer, D 2019, 82 min.
Fünf Taxis, fünf Städte. Bangkok, Prishtina, Dakar, El Paso und Berlin. 24 Stunden im Leben der Taxifahrer·innen. Zwischen Vordersitz und Rückbank.
Destan aus Prishtina, der Hauptstadt des Kosovo, erlässt auch mal das Taxigeld, während Mamadou aus Dakar mit seinen Gästen über Zweit- und Drittfrauen diskutiert.
Bangkok ist ein hartes Pflaster, auf dem sich Tony durchschlägt, während in Berlin Taxifahrerin Bambi la Furiosa die aufgeputschten Gäste ins  Berghain bringt und in El Paso kutschiert der väterliche Sergio Amerikanerinnen in Magenverkleinerungskliniken.
Es offenbart sich Alltägliches und Privates, Banales und Intimes. Der Rhythmus der sich öffnenden und schließenden Taxistüren verbindet die Geschichten und zeigt Unterschiede und Gemeinsamkeiten quer über den Globus hinweg.
19.9.21, 11:00 Uhr, Das geheime Leben der Bäume, Thalia Lichtspiele Bous

Das geheime Leben der Bäume von Jörg Adolph, D 2020, 97 Min. 
Die ganze Welt spricht über die Umwelt und hört dabei oft der Natur selbst gar nicht zu. Ein Mann hat sich zur Aufgabe gemacht, das zu ändern, und damit Millionen erreicht. In DAS GEHEIME LEBEN DER BÄUME öffnete uns Peter Wohlleben die Augen über die verborgene Welt des Waldes. Constantin Film bringt den Bestseller jetzt auf die große Leinwand – ein unterhaltsames Portrait, bildgewaltig und faszinierend. Es wird Zeit, den Wald auch im Kino zu entdecken.